SANDRA LINDNER

  
INDUSTRIEDESIGN



Jahr: 2010
Material: Holzabschnitte
Clic-Schienen
Trägerplatten aus Naturfaserpressmaterial
Maße: Maßanfertigung
Vertrieb: LindnerimNorden.com
Produktion: Produzent wird gesucht
Auftraggeber: Eigeninitiative

Einleitung
Der Holzfußboden „pinhua mudiban“ und die dazu passenden Fußleisten werden aus Abschnitten von Hölzern für den Innenausbau hergestellt. Es ist möglich, herkömmlich produziertes Ausgangsmaterial oder FSC-zertifiziertes Holz einzusetzen. Bestehende Betriebe erweitern so ihr Angebot, die Rohstoffe kommen von regionalen Lieferanten. Die Aspekte „Abfall ist Nahrung“, „Vielfältigkeit“ und „Langlebigkeit“ von „pinhua mudiban“ folgen den Grundsätzen von „cradle to cradle“ und „slow living“ in sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Hinsicht.

In die Reststücke, die beim Zuschnitt von Hölzern für den Innenausbau anfallen, wurden beträchtliche Zeit- und Energiemengen für Wachstum und Pflege, für Ernte und Transport, für Lagerung und Bearbeitung investiert.
Ohne nachhaltige Nutzungsmöglichkeit werden sie heute meist als „Abfall“ im Sägewerk verbrannt und setzen dabei CO2 und Schadstoffe frei.
„Pinhua mudiban“ bezieht die Abschnitte verschiedener Holzsorten in ein sinnvolles Materialfluss-System ein: die Lebensdauer des Ausgangsmaterials wird verlängert und die zu entsorgende Abfallmenge ebenso reduziert wie die beim Verbrennen entstehende Abgasmenge.

Mit der Verarbeitung zu Modulen aus mosaikartigen Einzelelementen und zu den entsprechenden Fußleisten entstehen hochwertige und langlebige Bodenbeläge, die dem verarbeitenden Betrieb bei Einsatz des vorhandenen Maschinenparks eine zusätzliche Einnahmequelle bieten.
Der Produktionsort der Reststücke (z.B. Sägewerke) und der Hersteller der Module (holzverarbeitende Betriebe) sind in regionaler Nähe angesiedelt, so dass kurze Wege eingehalten und Bestands- und Betriebskapazitäten sinnvoll und vorausschauend genutzt werden können.
Das Format der Module ermöglicht den effektiven Transport auf Europaletten und erlaubt die rationelle Lagerung.
Zusätzlich zu den bekannten Vorteilen des Holzfußbodens bezüglich Raumklima, Behaglichkeit und Langlebigkeit bietet die Vielfalt der verwendeten Hölzer dem Verbraucher eine hohe Individualität. „Pinhua mudiban“ tut den Menschen dauerhaft gut und unterstützt den Wertewandel des Marktes.

Mosaik-artig zugeschnittene Reste von Hölzern aus dem Innenausbau werden reversibel auf Trägerplatten aus Naturfaserpressmaterial montiert.
Verwendete Materialien:
Holzabschnitte verschiedener Holzsorten aus dem Innenausbau mit unterschiedlichen Abmessungen
Clic-Schienen aus nicht rostendem Stahl.
Trägerplatten aus Naturfaserpressmaterial aus der Liste der Hilfsmittel.

a) Ausgangsmaterial: Hölzer in verschiedenen Stärken, Längen und Breiten, Holzfeuchte 9-12%.
b) Sortierung mechanisch oder manuell: Stücke länger als 300 mm, werden zu den Elementen 1-6 verarbeitet. Stücke kürzer als 300 mm, werden zu „Verbindungsstiften“
c) Ausgangsmaterial wird im „Dickenhobel“ auf gleiche Stärke gebracht, Längen und Breiten bleiben unverändert.
d) Zuschnitt der Elemente 1-9 mit CNC-Frästechnik, Abmessungen optimal ausnutzen um wenig Verschnitt zu produzieren.
Fräsen einer Aussparung auf der Unterseite der Elemente 1-6 für Clic-Schienen zwecks Verbindung mit Trägerplatte. Die Fußleisten mit den Elementen 7-9 werden aus Vollholzabschnitten gefertigt.
Der Anteil manueller und mechanischer Arbeit und die Verarbeitung sind variabel, entsprechend der vorhandenen Ausstattung des Betriebes.
e) Naturfaserpressmaterial als Trägermaterial für die Module. Montage der Clic-Schienen zur Fixierung der Elemente 1-6.
f) Querschnitt: Holz, Clic-Schiene, Trägerplatte.
Die Verbindung der Module über Nut/ Feder-Prinzip.
g) Verbindungselement a für den Übergang von Modul 1 zu Modul 2.
h) „Verbindungsstifte“, hergestellt aus Holzabschnitten mit Länge l < 300 mm.
i) Einsetzen der „Verbindungsstifte“ in die Aussparungen zwecks Verbindung der Holzteile 1-6.
Abschleifen der Module und Fußleisten, Oberflächenbehandlung nach Kundenwunsch am Montageort.
Einsetzen des Verbindungselements a.
j) Transport/ Lagerung der Module auf Euro-Palette. Schutz der unbehandelten Oberfläche mit recycelbarer, wasserfester Folie.
Gestaltungsmöglichkeiten beim Endverbraucher: z.B. Oberfläche wachsen, ölen, kalken, polieren, mit Pigmenten einfärben

Pinhua Mudiban Plan

Der für die Nachhaltigkeit von „pinhua mudiban“ entscheidende Aspekt ist die Verwertung vorhandener Holzabschnitte.
Dieser Bodenbelag kann hergestellt werden, sobald dem verarbeitenden Betrieb die geeignete Menge von Holzresten vorliegt; sie kommen von regionalen Zulieferern. So werden z.B. Module aus einer ganz bestimmten Holzsorte oder mit FSC-Siegel erst dann produziert, wenn das entsprechende Ausgangsmaterial vorhanden ist. Kurz: Die Verfügbarkeit definiert das Angebot.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Lieferanten und dem verarbeitenden Betrieb wird gestärkt. Die Abschnitte werden als Beiladung mit anderen Lieferungen transportiert. Es wäre sinnvoll, den Prozess „Verarbeiten statt Verbrennen“ beispielsweise mit der Subvention einer Anlage zur nachhaltigen Wärmeerzeugung zu unterstützen.

Der Zuschnitt der Elemente 1-9 erfolgt mit einer CNC-Fräse, ist jedoch auch mit einfacher Technik realisierbar. Nach der Montage auf der Trägerplatte mittels Clic-Schiene werden die fertigen Module auf Euro-Paletten gelagert.
Vertrieb und Verteilung erfolgen logistisch optimiert von einer zentralen Stelle aus. Die Montage vor Ort erfolgt durch erfahrene Heimwerker oder Verlege-Betriebe, passende Fußleisten werden geliefert.

Anders als herkömmliche Dielenböden können die Module mit ihrem Besitzer umziehen, sie werden nicht geklebt oder geschraubt. Die Oberfläche kann mehrfach abgeschliffen und modifiziert werden, so trägt „pinhua mudiban“ den sich ändernden Wünschen des Nutzers Rechnung. Beim Einbau ist die Einbringung einer Trittschall-Isolierung mit Materialien aus der Hilfsmittelliste möglich.
Holzfußboden hat naturgemäß eine lange Lebensdauer. Im Anschluss daran lassen sich alle Materialen mit sehr niedrigem Energieaufwand voneinander trennen, um recycelt zu werden: Holz und Metall bleiben unverändert, das Trägermaterial kann dem Wertstoff-Kreislauf erneut zugeführt werden.
Der Grundgedanke des Entwurfs lässt sich auch für Tischplatten, Türblätter, Wandverkleidung und andere Flächen aus Holz einsetzen.

Abschließend: „pinhua mudiban“ ist auch mit einfacher technischer Ausstattung realisierbar. Es lässt sich weltweit produzieren und verlängert immer die Lebensdauer vorhandener Holzbestände (z.B. auch aus Gebäuden, die abgerissen werden), ohne unsere Umwelt zu belasten. Verarbeitende Betriebe stärken ihre Unabhängigkeit und können sich entwickeln. „pinhua mudiban“ wird nicht jederzeit in jeder Menge überall verfügbar sein. Aber es ist so individuell, so nachhaltig erzeugt und so langlebig, dass es seinen Platz im Markt finden wird.